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Zwischen Dornen und Gedichten Eine Rose für den persischen Prinzen

  • renatalamesic
  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Was kommt dir in den Sinn, wenn du das Wort Verletzlichkeit hörst? Ist Verletzlichkeit für dich ein Zeichen von Schwäche oder gar Kleinheit? 

Wenn ja, verstehe ich dich sehr gut.

 

Jahrelang versuchte ich mich vor meiner Verletzlichkeit zu schützen. Immer wieder begegnete ich Menschen oder kam in Situationen, die meine Verletzlichkeit spiegelten. Ich wollte mich schützen, zog mich zurück, sobald Situationen meine zerbrechlichen Seiten spiegelten. Es fühlte sich an wie Gefahr, also zeigte ich sie niemandem. 

 

Ich lernte, meine Gefühle hinter einer toughen Fassade zu verstecken. Niemand sollte sehen, was wirklich in mir vorging. Weshalb ich mich bedroht fühlte, verstand ich lange Zeit nicht. Ich war nicht in der Lage, mein eigenes Verhalten zu reflektieren. Erst als ich erkannte, wie sehr mich frühere Prägungen unterbewusst steuerten, konnte ich beginnen, mein Verhalten zu verstehen und positiv zu verändern.

 

Doch Liebe blieb Risiko: Lieben war Risiko und geliebt zu werden ebenso. Denn Liebe fordert, sich zu zeigen, Worte auszusprechen, die nichts mehr rückgängig machen. Vertraute Muster geben Sicherheit, selbst wenn sie einengen. Doch genau das, wovor wir uns am meisten fürchten, führt oft zur Liebe. Vielleicht ist das Wagnis, uns wirklich zu zeigen, nicht das Hindernis der Liebe, sondern ihre Bedingung.

 

Der Wendepunkt kam, als ich mir erlaubte, meine Gefühle zuzulassen, ohne Ausflüchte. Lange Zeit hielt meine Maske die Worte zurück, und mit den Worten blieb auch die Wahrheit auf Abstand. Ich begriff, dass ich mir meine Gefühle nicht eingestehen konnte. Ich schob sie weg, noch bevor sie Form annehmen konnten. Ich hatte keinen Zugang zu mir selbst, und zu dem, was ich wirklich fühlte. Irgendwann lief ich nicht mehr weg. Ich begann meine Muster und Ängste anzuschauen.

 

Die Begegnung mit einem Menschen, der mein Herz auf eine ungeahnte, aber besondere Art berührte, spiegelte mir, was in mir gereift war. Ich spürte, dass ich bei ihm eine Schwelle überschritten hatte. Es gab kein Ausweichen mehr vor der Wahrheit: Ich hatte mein Herz an den «persischen Prinzen» verloren, hörte ich mich denken.

 

Wenige Tage später verschwand er plötzlich aus meinem Leben. Ich hielt die Fassade, als wäre nichts, während in mir ein stiller Schmerz wuchs. Die Fragen wurden beharrlicher, wie Stimmen in einem leeren Raum: Warum ging er? Was war das zwischen uns? Als ich ihnen nicht mehr auswich, begannen sie mich zu verändern.

 

Später, als sich unsere Wege wieder kreuzten, und ich meine inneren Prozesse gegangen war, konnte ich klar benennen, was damals in mir vorging. Seine Nähe markierte die Schwelle, die ich vorher gemieden hatte. Damit wurde die innere Veränderung sichtbar: Ich wagte es, meine Gefühle in Worte zu fassen, und schrieb dem «persischen Prinzen» einen Liebesbrief. Indem ich mich auf diese Art öffnete, lernte ich, wie selten es ist, einem Menschen zu begegnen, der etwas in dir berührt und befreit. Von da an nahm ich meine verletzliche Seite an und löste mich Schritt für Schritt von alten Ängsten, vergangenen Bindungen und überholten Mustern. Vertrauen wurde möglich und mit ihm Nähe, Klarheit und ein freies Leben.

 

Ich habe gelernt, dass Verletzlichkeit nicht Schwäche offenbart, sondern Mut zeigt, echt zu sein.

Authentisch sein bedeutet für mich den eigenen Gefühlen und Werten immer treu zu bleiben, auch wenn es gelegentlich schmerzhaft sein kann, sich auf intensive, echte Gefühle einzulassen. Klartext ist gefragt, kein Spiel, kein Nebel, keine unausgesprochenen Erwartungen oder gar Machtspiele. Verbindlichkeit ist nämlich – besonders auch in Liebesbeziehungen – eine wesentliche Grundlage. Deshalb ist es wichtig Gefühle mitzuteilen, die man für jemanden empfindet.

Genau dort, wo ich weich wurde, wuchs meine innere Kraft, genau dort, wo ich mich früher versteckt hatte. Mit jedem echten Gefühl kehrte ich ein Stück mehr zu mir selbst zurück. Dort, wo früher Dornen waren, blühen heute Rosen.

 

Wie echt bist du schon? Welche Wahrheit verbirgst du noch?

 

von Herzen

Renata

 
 
 

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